Vokalnetz.de  |   MeinChor.de  |   CD-Shop  |   Schallarchiv  |    Literaturdatenbank
ChorVerband NRW e.V. ChorVerband NRW e.V. ChorVerband NRW e.V. ChorVerband NRW e.V. ChorVerband NRW e.V. ChorVerband NRW e.V. ChorVerband NRW e.V. ChorVerband NRW e.V. ChorVerband NRW e.V. ChorVerband NRW e.V.
 
 Chor live - Leserbriefecke


Leserbrief:

Gerd Sorg, Referat 2000
Chormusik heute - für den leistungsfähigen und -willigen Männerchor.
Eine Betrachtung

Jeder Chor, der für sich in Anspruch nimmt leistungsfähig-willig zu sein, und sich kulturellen Aufgaben und Verpflichtungen stellt, definiert sich über die Musikliteratur, die er pflegt.

Das Spektrum der heutigen Männerchorliteratur erstreckt sich vom anspruchsvollen Chorwerk bis hin zum kommerziellen Kitsch der Subkultur. Hier gilt es mit der nötigen Fachkompetenz sorgfältig unter der Berücksichtigung der musikalischen Möglichkeiten des jeweiligen Chores auszuwählen. Besondere Aufgabe gilt nach wie vor der Pflege des deutschen, aber auch internationalen Volksliedes, das sich eindeutig von der in den Medien überaus stark propagierten Pseudovolksmusik abhebt. Damit leistet der Chorgesang einen kulturpolitischen, wie auch gesellschaftsbezogenen und völkerverbindenen Beitrag (s. hierzu auch das Kulturprogramm des DSB). – Darüber hinaus profiliert sich ein guter Chor natürlich mit Standartwerken unterschiedlicher Stilepochen.

Da die gesamte Männerchorliteratur, weltlich oder geistlich, musikhistorisch ein Produkt der Romantik ist, gibt es für diese Chorgattung, bis auf wenige Beispiele der geistlichen Chormusik, Originalwerke erst ab dem 19.Jhd. Wegbereiter waren Silcher, Nägeli und Zelter, die sich um den Männerchorgesang mit ihren Werken, Volkliedern und Bearbeitungen verdient gemacht haben und heute noch im Repertoire vieler Männerchöre zu Recht enthalten sind. Aber auch bedeutende Komponisten der Musikgeschichte wie Schubert, Schumann, Mendelssohn-Bartholdy, Brahms, Bruckner, Richard Strauß, ua. widmeten sich mit Originalwerken dem künstlerischen Männerchorgesang. - Dieses hohe Kulturgut zu bewahren und zu pflegen muss auch in der heutigen Zeit für den anspruchsvollen Männerchor eine selbstverständliche und besondere Aufgabe sein.

Für die „modische“ Präsentation von Pop-Musik (Chor in Bewegung), meist von einschlägigen Bearbeitern in seichten Sätzen angeboten, sollte sich jeder ernstzunehmende Chor zu schade sein. Die Titel, die im Rundfunk rauf und runter gespielt werden, lassen jeglichen Nachhaltigkeitsfaktor vermissen und sollten den Popsängern, die diese viel besser interpretieren können und für die diese auch produziert wurden, überlassen bleiben. Damit junge Menschen für den Chorgesang gewinnen zu wollen, ist und bleibt ein Irrglaube! (Die haben höchstens Mitleid oder amüsieren sich über die ungelenken Bewegungen eines gestandenen Männerchores und die unzulänglichen, atypischen Interpretationen). Unterhaltsame grenzwertige Chormusik (U-Musik), die immer noch einen gewissen Anspruch erfüllt, liegt in gut gemachten Bearbeitungen z.B. von Operetten, Musicals, Filmmusik u.a. vor, die zu Recht beliebt sind.

Die von Wegbereitern des 20. Jh. geschaffene und zeitgenössische Chormusik, von unterschiedlicher Thematik und Schwierigkeit, ob ernst oder heiter, geistlich oder weltlich, bietet eine reichhaltige Auswahl. Hier gilt es für den verantwortungsvollen Chorleiter aus dem schier unerschöpflichen Angebot abzuwägen, was individuell auf den jeweiligen Chor bezogen (Anzahl und Stimmumfang der Sänger, bzw. Stimmverteilung und Ausgewogenheit, Erfahrung mit zeitgenössischer Literatur) überhaupt machbar ist, ohne ihn zu überfordern. Eine Voraussetzung, die übrigens für alle Stilarten der Chormusik enorm wichtig ist.
Darüber hinaus sollte auch evt. der Stellenwert des Chores im Kulturbetrieb der Stadt, der Gemeinde berücksichtigt werden.

Fazit:
Jeder Chor sollte bemüht sein, ein niveauvolles und abwechslungsreiches Repertoire zu erarbeiten, um seinem kulturellen Auftrag in der heutigen Zeit gerecht zu werden.

Wo nachhaltig musikalische Leistung mit Engagement und Freude gefordert wird und man bereit ist, diese zu erbringen, bleiben die Erfolgserlebnisse nicht aus. All das wegen jeweiliger modischer Trends, die es zu allen Zeiten gegeben haben, aufzugeben, wäre für jeden ernst zu nehmenden Chor der Anfang vom Ende!

GERD SORG

Referat 2000